Call for Abstracts für die DGfE-BNE-Kommissionstagung 2026
Zeit für Hoffnung?
Diskurse, Dynamiken und Herausforderungen
der Bildung für nachhaltige Entwicklung
vom 2. bis 4. September 2026 an der Technischen Universität Dortmund
Der CfA hier als PDF.
Die aktuelle gesellschaftliche, geopolitische und ökologische Situation auf der Erde ist vor dem Hintergrund von Konflikten, Krisen und Eskalationen mehr als herausfordernd und scheint zunächst keinen Anlass für Hoffnung zu bieten. Der globale Ausstoß an Kohlendioxid erreicht im Jahr 2025 einen neuen Rekordwert, die Menschheit hat die siebte Belastungsgrenze der planetaren Grenzen bereits überschritten (PBScience, 2025) und auch die COP 30 in Belém brachte keine entscheidenden Fortschritte. Entsprechend weisen Wissenschaftler*innen darauf hin, dass wenig bis keine Zeit mehr für ein effektives Handeln zur Erhaltung des Planeten besteht (Forster et al., 2025).
Diese und andere globale Krisen fordern Bildungsprozesse heraus und rücken Fragen nach Zukunftsperspektiven von Bildung für nachhaltige Entwicklung dringlicher denn je in den Mittelpunkt. Während entgegen dieser dramatischen Diagnose Hoffnungsnarrative einer „Großen Transformation“ Orientierungen bieten können (WBGU, 2011), stehen ihnen ebenso ernüchternde empirische Befunde (z.B. Bätzing, 2023; Blühdorn, 2020; Cline, 2014), widersprüchliche gesellschaftlichen Erwartungen, politische Zielkonflikte sowie komplexe soziale und emotionale Ambivalenzen gegenüber (z.B. Schad & Sommer, 2025; Mau, Lux & Westheuser, 2023).
Vor diesem Hintergrund wird auf der Tagung der Blick auf die Frage gerichtet, ob es noch „Zeit für Hoffnung?“ (z.B. Hunze, Gärtner & Dransmann, 2025; Bloch, 1954; 2022) gibt und welche Implikationen sich vor diesem Hintergrund für erziehungswissenschaftliche BNE-Forschung ergeben. Fokussiert werden sollen mit diesem Tagungsthema unter anderem die Fragen, welche Begriffe von Hoffnung in der erziehungswissenschaftlichen BNE-Forschung angemessen sind und welche Rolle Hoffnung in Bildungsprozessen spielt, spielen kann und sollte – einerseits als affektives, normatives und motivationales Moment, andererseits als potenziell entpolitisierender Diskurs, der Machtverhältnisse verschleiern oder strukturelle Verantwortlichkeiten individualisieren kann (z.B. Kminek, 2019; Wendt & Görgen, 2018). Dabei stellt sich die Frage, ob zwischen konstruktiven Zukunftsperspektiven (Ojala 2011) und kritischen Gegenwartsdiagnosen neue Aushandlungsräume entstehen und, wenn ja, wie diese erziehungswissenschaftlich und fachdidaktisch zu beschreiben und bewerten sind.
Die Tagung der BNE-Kommission der DGfE an der TU Dortmund möchte vor diesem Hintergrund diese und zahlreiche weitere erziehungswissenschaftliche Fragestellungen im Kontext von BNE adressieren:
- Wie werden Hoffnung, Zukunft und Transformation in aktuellen Diskursen der BNE gefasst, adressiert und verhandelt?
- Welche Dynamiken und Ambivalenzen zeigen sich im Verhältnis zwischen normativ gesetzten Bildungszielen und realen Bedingungen pädagogischer Praxis?
- Welche Potenziale, Herausforderungen und blinde Flecken ergeben sich für eine Weiterentwicklung von BNE?
- Welche Rolle spielen normative Orientierungen, emotionale Dynamiken und Zukunftsnarrative für eine hoffnungsbezogene Ausrichtung von Bildungsprozessen?
- Welche Rolle spielt das Konzept der Hoffnung aus machttheoretischer, postkolonialer und kritischer Perspektive?
- Inwiefern werden hoffnungsbezogene Aspekte in (außer-)schulischen Konzepten, Rahmenmodellen und Gestaltungsansätzen (nicht) sichtbar?
- Welche Anforderungen werden an pädagogische Fachkräfte gestellt? Welche Rolle spielt dabei das „Prinzip Hoffnung“?
- Inwiefern entfalten sich Politiken und Strukturen von BNE in institutionellen Dynamiken und Governance unter Berücksichtigung verschiedener Zukunftsperspektiven einer nachhaltigen Entwicklung?
- Welche Rolle spielt der Umgang mit Unsicherheiten, Krisenbewusstsein und Selbstwirksamkeit in Bildungsprozessen, um Klimaemotionen zu bearbeiten?
Call for Abstracts
Wir laden Wissenschaftler:innen aller Qualifikationsphasen sowie Akteur:innen aus Bildungsinstitutionen ein, theoretische, empirische und konzeptionelle Beiträge einzureichen, die sich mit Diskursen, Dynamiken und Herausforderungen von BNE befassen.
Beiträge können in drei Formaten eingereicht werden:
Einzelbeiträge (à 15 Min. Vortrag, 15 Min. Diskussion), die durch das Tagungsteam in Panels eingeteilt werden; Abstract (max. 2.500 Zeichen; inkl. Leerzeichen, exkl. Literatur) mit Fragestellung, theoretischem Bezug, Forschungsmethodik bzw. konzeptioneller Ausrichtung und zentralen (empirischen) Erkenntnissen bzw. Argumentationslinien.
Symposien (à 90 Minuten) mit mindestens drei inhaltlich aufeinander bezogenen Beiträgen für eine gemeinsame, übergreifende Diskussion (mit Diskutant:in); Abstract (max. 4.000 Zeichen; inkl. Leerzeichen, exkl. Literatur) mit Mantelabstract (Erläuterung der gemeinsamen Fragestellung und Kurzdarstellung der Einzelbeiträge, max. 1.000 Zeichen) und Abstracts zu den Einzelbeiträgen (je max. 1.000 Zeichen). Der Einbezug von Beiträgen von Wissenschaftler*innen in Qualifikationsphasen ist explizit erwünscht.
Roundtables (à 90 Minuten) zu Herausforderungen, Ambivalenzen und offenen Fragen zur diskursiven Auseinandersetzung (z.B. mit 3-minütigen Impulsen und anschließender strukturierter Diskussion in Kleingruppen). Dieses Format ist frei gestaltbar und insbesondere dazu gedacht, aktuelle BNE-Diskurse (insbesondere auch der letzten Kommissionstagungen) in Verbindung mit dem Tagungsthema fortzuführen. Beispielsweise bieten sich hierfür die folgenden BNE-Diskurse an:
- Normative Spannungen in BNE
- Emotionen, Krisen und Hoffnung
- Postkoloniale Kritik und Machtverhältnisse
Abstracts zu Roundtables (max. 2.500 Zeichen; inkl. Leerzeichen, exkl. Literatur) bitte mit Fragestellung, theoretischen Bezügen und Beschreibung des geplanten Formats (Struktur und Vorgehen) einreichen.
Die Abstracts sollten Angaben zu den Autor:innen (Name, Institution, Forschungsschwerpunkte) enthalten und bis zum 20.03.2026 unter der folgenden E-Mail-Adresse eingesendet werden:
bne-kommissionstagung2026.iads.fk12@tu-dortmund.de
Weitere laufend aktualisierte Informationen finden Sie auf der Homepage der Jahrestagung der DGfE-Kommission Bildung für nachhaltige Entwicklung 2026 an der TU Dortmund:
https://iads.ep.tu-dortmund.de/institut/veranstaltungen/details/tagung-der-dgfe-kommission-bildung-fuer-nachhaltige-entwicklung-bne-2026-59045/
Vorstand der BNE-Kommission:
Jana Costa & Helge Kminek
Organisationsteam der TU Dortmund & RWTH Aachen:
Vanessa Henke, Lena Tacke & Magdalena Buddeberg, Claudia Gärtner, Sabine Hornberg, Julia Lemke & Katharina Schmidt
Literatur
Bätzing, W. (2023). Homo destructor: Eine Mensch-Umwelt-Geschichte: von der Entstehung des Menschen zur Zerstörung der Welt. C.H. Beck. https://doi.org/10.17104/9783406806698
Bloch, E. (1954; 2022). Das Prinzip Hoffnung. Suhrkamp.
Blühdorn, I., Butzlaff, F., Deflorian, M., Hausknost, D., & Mock, M. (2020). Nachhaltige Nicht-Nachhaltigkeit: Warum die ökologische Transformation der Gesellschaft nicht stattfindet. transcript. https://doi.org/10.1515/9783839445167
Cline, E. H. (2014). 1177 B.C: The year civilization collapsed. Princeton University Press. https://doi.org/10.1515/9781400849987
Forster, P. (2025). Indicators of Global Climate Change 2024: annual update of key indicators oft he state of the climate system and human influence. Earth System Science Data (ESSD), 17, 2641-2680. https://doi.org/10.5194/essd-17-2641-2025
Hunze, G., Gärtner, C. & J. Dransmann (2025). Mehr als Wissen – Der Beitrag des Religionsunterrichts zu einer transformativen Klimabildung. In D. Höttecke, S. Heinicke, H. Martens, A. Nehring & A R. Rabe (Hrsg.), Handbuch Klimabildung (S. 189-210). Springer VS Wiesbaden, https://doi.org/10.1007/978-3-658-48374-6
Kminek, H. (2019). „Erziehung nach Auschwitz“ angesichts der Umweltkrise am Beginn des 21. Jahrhunderts. In S. Andresen, D. Nittel, & C. Thompson (Hrsg.), Erziehung nach Auschwitz bis heute: Aufklärung und Gesellschaftsanalyse (S. 485–498). Johann W. Goethe Univer-sität, FB04-Dekanat.
Mau, S., Lux, T. & L. Westheuser (2023): Triggerpunkte. Konsens und Konflikt in der Gegenwartsge-sellschaft. Suhrkamp. https://doi.org/10.1007/s11615-024-00561-y
Ojala, M. (2012). Hope and climate change: the importance of hope for environmental engage-ment among young people. Environmental Education Research, 18(5), 625–642. https://doi.org/10.1080/13504622.2011.637157
Planetary Boundaries Science (PBScience) (2025). Planetary Health Check 2025. Potsdam Institute for Climate Impact Research (PIK). https://www.planetaryhealthcheck.org/
Schad, M. & Sommer, B. (2025), Socioecological transformation and conflict. In Knoblauch, H., Sommer, V., & Pfetsch, B. (eds.). Spatial Conflicts and Conflictual Spaces. The Dynamics of Refiguration (S. 309-329). Routledge. https://doi.org/10.4324/9781003542810
Wendt, B. & Görgen, B. (2018). Macht und soziale Ungleichheit als vernachlässigte Dimensionen der Nachhaltigkeitsforschung: Überlegungen zum Verhältnis von Nachhaltigkeit und Verantwortung. In A. Henkel, N. Lüdtke, N. Buschmann & L. Hochmann (Hg.), Reflexive Responsibilisierung: Verantwortung für nachhaltige Entwicklung (S. 49-66). transcript Verlag. https://doi.org/10.1515/9783839440667-003
Wissenschaftlicher Beirat der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen (WBGU). (2011). Welt im Wandel – Gesellschaftsvertrag für eine Große Transformation. https://issuu.com/wbgu/docs/wbgu_jg2011?fr=sMzhlOTM1OTc5NDI